Reichenau - St. Georg - Innenrenovation
Restaurierung der historischen Wandmalereien
Bauherr: Röm.-Kath. Kirchengemeinde Reichenau
Münsterplatz 4, 78479 Reichenau
Straße: Seestrasse 4, 78479 Reichenau
Bauzeit: Baubeginn 2020, Fertigstellung 2024
Planung und Bauleitung:
Erzbischöfliches Bauamt Konstanz
Denkmalpflege:
Landesamt für Denkmalpflege, Frau Dr. Dörthe Jakobs, Leiterin Fachgebiet Restaurierung
Klimamonitoring:
TTI GmbH MOCult, Herr Prof. Dr.-Ing. Harald Garrecht
Im Jahr 2000 wurde die „Klosterinsel Reichenau“ in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. In diesem Zuge erfuhr auch die im Jahr 896 n. Chr. errichtete Pfarrkirche St. Georg eine besondere Würdigung als nationales Kulturdenkmal.
Das Erscheinungsbild des Sakralbaus, der seit seiner Errichtung in Teilen mehrfach verändert wurde, ist geprägt von einem dreischiffigen, basilikalen Langhaus mit einer westlich gelegenen Konche sowie einer vorgelagerten zweigeschossigen Vorhalle. Die im Obergeschoss der Vorhalle befindliche „Michaelskapelle“ ist ausschließlich von außen zugänglich.
Östlich an das Langhaus schließen sich die erhöhte Vierung mit Turm sowie der um weitere vier Stufen angehobene Chorraum an. Unterhalb des Chorraums befindet sich die Krypta, die über einen Gang unter der Vierung erreichbar ist. Der Zugang erfolgt über zwei Türen am östlichen Ende des Langhauses, jeweils rechts und links der Vierung.
Die besondere Bedeutung von St. Georg gründet jedoch vor allem in den einzigartigen ottonischen Wandmalereien an den Innenwänden des Mittelschiffs. Der dort erhaltene Malereizyklus zeigt Wunderszenen aus dem Leben Jesu, gerahmt von Mäandern und reich gestalteten Ornamentfriesen. Aufgrund ihrer Intensität und ihres außergewöhnlichen Erhaltungszustands gelten die Fresken als einzigartig.
Weitere bedeutende Malereien finden sich an der Ostwand der Krypta, die vermutlich aus dem letzten Drittel des 10. Jahrhunderts stammen, sowie in der Michaelskapelle, wo eine Darstellung der Wiedergeburt Christi vermutlich um 1050/1060 n. Chr. entstand.
Die klimatischen Bedingungen des Bodenseeraums stellten eine erhebliche Herausforderung für den Erhalt der Wandmalereien dar. Da diese über lange Zeit hinweg Verschmutzung und Schimmelbildung ausgesetzt waren, wurden umfangreiche Reinigungsmaßnahmen durchgeführt. Ergänzend dazu soll durch ein kontinuierliches Klimamonitoring sowie eine gezielte Klimasteuerung ein möglichst stabiles Raumklima mit definierten Parametern gewährleistet werden, um die historischen Malschichten nachhaltig zu schützen. Zur Vermeidung zusätzlicher Schäden durch UV-Strahlung wurde zudem an den Fenstern der Südseite ein innenliegender textiler UV-Schutz angebracht. Eine neue, steuerbare Beleuchtung in LED-Technik ergänzt die baulichen Maßnahmen und trägt zu einer schonenden Präsentation der historischen Ausstattung bei.
Gesamtbaukosten für die Maßnahme: ca. 505.000,00 € (inkl. Förderung durch Denkmalmittel von Land und Bund)
